Die großen R des Zero Waste Lifestyle

Wer sich mit dem Thema Zero Waste beschäftigt, stolpert früher oder später über die fünf R. Bea Johnson, die Mutter der Zero Waste-Bewegung, hat die fünf R geprägt. Die fünf R, stehen für die englischen Begriffe Refuse, Reduce, Reuse, Recycle und Rot. Sie beschreiben Handlungsempfehlungen auf dem Weg zu einem möglichst müllarmen Leben.

 

Rethink - Umdenken.

Wer schon mal einen meiner Workshops besucht hat weiß, dass diese die für mich wichtigste Komponente auf unserem Weg zu mehr Freude und Nachhaltigkeit ist. Nur, wenn wir unser Verhalten hinterfragen und umdenken, können wir etwas verändern. 

 

Refuse – Ablehnen.

Lehne das ab, was du nicht benötigst und was Müll verursacht: Werbegeschenke, Strohhalme aus Plastik, Papierservietten, Brötchentüten. Die Liste ist endlos. Kurzlebige Einwegprodukte konsequent abzulehnen mag banal erscheinen, doch kann weitreichende Auswirkungen haben. Die Masse macht’s. Durch unseren Konsum und Nicht-Konsum haben wir einen Einfluss auf die Industrie und Wirtschaft. Was wir nicht annehmen oder kaufen, muss mittelfristig von den Produzierenden überdacht werden.

 

Reduce – Reduzieren.

Reduziere das, was du benötigst und konsumierst. Reduzieren und auf diese Weise Ressourcen sparen kannst du vieles. Reduziere, wie oft du Auto fährst. Reduziere deinen Besitz und gib Dinge weiter. Reduziere deinen Konsum und kaufe nur, was du wirklich benötigst. Dabei geht es meiner Meinung nach nicht um Verzicht. Es geht vielmehr darum, den Dingen eine entsprechende Wertschätzung entgegenzubringen. Wenn du auf bestimmte Artikel nicht verzichten möchtest, kannst du sie dir beispielsweise ausleihen. Neben klassischen Bibliotheken gibt es für dazu, vor allem für andere Gebrauchsgegenstände, diverse lokale Facebook-Gruppen oder Onlineportale wie Nebenan.de.

 

Reuse – Wiederverwenden.

Verwende Dinge wieder. Dazu zählt auch, kaputte Dinge zu reparieren.  Indem du Dinge reparierst, verlängerst du ihr Leben und sparst Ressourcen für die Neuproduktion und Neuanschaffung. Reuse kann auch bedeuten, Dinge wieder dem Nutzungs- und Konsumkreislauf zuzuführen, indem du sie weitergibst an jemanden, der*die sie gebrauchen kann, während sie bei dir nur rumstehen würden. Außerdem steht Reuse auch dafür, von Einwegplastik auf wiederverwendbare Alternativen wie Mehrwegbecher und Glasflaschen umzusteigen. Eine kreative Variante der Wiederverwertung ist das Upcycling. Gib einfach mal „DIY“ (Do it Yourself) oder „Upcycling“ in die Suchmaschine ein und lass dich davon inspirieren, wie du aus Altem Neues zaubern kannst.

 

Repair - Reparieren

Zu Reuse gehört auch das Reparieren. Viele Menschen haben leider eine gewisse Wegwerfmentalität entwickelt. Dadurch, dass gefühlt alles immer recht günstig verfügbar ist, erscheint es oft einfacher, etwas Neues anzuschaffen, anstatt Dinge zu reparieren. Dabei kann sich das wirklich lohnen. Meine Großeltern sagen: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ Denn billige Sachen haben oft mindere Qualität, gehen schneller kaputt und lassen sich dann nur komplizierter reparieren.

Wer keine handwerklich begabten Verwandten hat, kann einen Fünfer für den Besuch beim Schuster, beim Schneider oder der Technikwerkstatt investieren. Außerdem kannst du auf Ecosia, einer Google-basierten Suchmaschine, nach Repair Cafés in deiner Gegend recherchieren. In Repair Cafés treffen sich Menschen mit bestimmten Fähigkeiten, um sie mit anderen zu teilen. So helfen sie einander dabei, was auch immer es zu reparieren gibt, zu reparieren. Das spart Geld und Ressourcen. Ganz nebenbei kannst du spannende, neue Bekanntschaften schließen.

 

Recycle

Das Wort ist ziemlich selbsterklärend, weil es im Deutschen das gleiche ist. Recycle das, was du nicht ablehnen, reduzieren oder wieder verwerten willst oder kannst.

Recycling bedeutet übersetzt: etwas wieder in den Kreislauf bringen. Darum ist das Wort irreführend und gibt uns fälschlicherweise ein gutes Gewissen. Recycling sollte meiner Meinung nach nur die letzte Lösung sein. In der aktuellen Wertschöpfungskette sind die meisten Ressourcen endlich, sodass es gilt, sie zu schonen, anstatt sie unter Energieaufwand zu downzucyceln oder zu verbrennen, was meist der Fall ist.

Was meine ich damit? Die Produktion und das Recycling jedes Gegenstandes benötigen Ressourcen und Energie. Um ein paar vereinfachte Beispiele zu nennen: Aus Holz wird Papier, aus Rohöl wird Plastik, aus Quarzsand wird Glas. Für die meisten Produkte werden außerdem Zusatzstoffe, oft chemischer Art benötigt. Um sie, nachdem sie im Abfall gelandet sind, zu neuen Produkten weiterzuverarbeiten, werden neue Rohstoffe oder Energie verwendet. Sortenreines Glas kann zwar durch Einschmelzen zu 100% zu neuem Glas verarbeitet werden, dafür muss es allerdings zunächst auf um die 600 Grad Celsius erhitzt werden. Papier kann zu Recyclingpapier weiterverarbeitet werden, dafür müssen jedoch auch Frischfasern hinzugefügt werden. Nur bestimmte Plastiksorten können aufgrund ihrer Mischzusammensetzung überhaupt vernünftig recycelt werden – viele übrige sind am Ende Restmüll und werden verbrannt.

Jetzt fragst du dich vielleicht: Soll ich nun gar nicht mehr recyceln? Nein, im Gegenteil. Wir sollten so viele Wertstoffe wiederverwerten wie möglich. Für mich beginnt die Lösung des Plastikproblems allerdings bereits einen Schritt vorher. Je mehr Abfall wir durch achtsamen und nachhaltigen Konsum einsparen, desto besser. Je weniger Einweg- und je mehr Mehrwegprodukte wir verwenden, desto weniger muss am Ende des Tages recycelt werden. Ein Ansatz dafür ist, sich mit dem Zero Waste Lifestyle zu beschäftigen und erste Schritte in Richtung Müllvermeidung zu gehen. Ein weiterer Ansatz heißt Circular Economy, Cradle to Cradle-Produktion oder auch Kreislaufwirtschaft. Die Idee hinter der Kreislaufwirtschaft ist vereinfacht gesagt folgende: Du kaufst etwas und benutzt den Gegenstand so lange wie möglich. Er ist so produziert, dass er anschließend in seine Bestandteile aus unterschiedlichen Wertstoffen zerlegt werden kann. Am Ende der Nutzungsdauer werden die einzelnen Bestandteile des Produkts, möglichst ohne Wert-, Energie- oder Ressourcenverlust, wiederverwertet und zu etwas Neuem.

 

Rot – Kompostiere

Lebensmittelabfälle kannst du kompostieren und somit dem Kreislauf wiederzuführen. Kompost wird zu wunderbarem Dünger, der wiederum das Wachstum neuer Nahrungsmittel unterstützen kann.

Die wohl bekannteste und älteste Art, Bioabfall wieder dem Kreislauf zuzuführen, ist ein Komposthaufen im Garten. Das Prinzip ist einfach: Bioabfälle drauf werfen, abwarten und eine Weile später gute, nährstoffreiche Erde auf den Acker heben.

Wer keinen Garten hat, kann sich eine Wurmkiste zulegen. Das ist im Grunde ein kleiner Indoor-Kompost. Dafür besorgst du dir zunächst eine Holzkiste und dann online oder von anderen Wurmkistenbesitzer*innen eine Start-Wurmpopulation. Die Würmer machen in der Kiste das, was sie zusammen mit Mikroorganismen auch auf dem Kompost im Garten tun: Die Bioabfälle zersetzen. Das coole daran ist: Es stinkt nicht. Während der Bioeimer in der Küche ja schon recht schnell müffelt, sorgen die Würmer dafür, dass es lediglich angenehm erdig, ein bisschen nach Waldboden, riecht. Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest, schau mal auf Wilma-Wurmkiste vorbei.

Wer keine Haustiere halten möchte, ist mit einem Bokashi-Eimer besser bedient. Das ist das japanische Äquivalent zum Kompost und funktioniert etwas anders. Ein Vorteil von Bokashi-Eimern: Auf den Kompost und in die Wurmkiste sollen keine Zitrusfrüchte, weil sie zu lange brauchen, um zersetzt zu werden und keine gekochten Lebensmittel oder Eier, weil sie aufgrund der Feuchtigkeit zu schnell schimmeln würden. In Bokashi-Bins darf alles. Ein Nachteil: Die Eimer sind aus Plastik – sollten aber lange halten – und man muss regelmäßig Ferment nachkaufen oder herstellen. In den Bokashi-Bin schmeißt du einfach deine Bio-Abfälle und fügst dann mit einem meist trockenen Ferment effektive Mikroorganismen hinzu, die den Job der Würmer übernehmen. Die Mikroorganismen zersetzen die organischen Abfälle und noch mehreren Tagen oder wenigen Wochen kannst du unten am Zapfhahn des Bins hochkonzentrierten Flüssigdünner abzapfen und oben fruchtbare Erde abschöpfen.