Laura Konieczny präentiert eine Menstruationstasse als nachhaltiges Periodenprodukt

Menstruieren ist menschlich

Tipps für die nachhaltige Monatshygiene

Als Frau kennst du das vielleicht: Jemand fragt dich - möglichst leise und verstohlen - ob du einen Tampon dabei hast. Seit drei Jahren muss ich diese Frage immer verneinen, so gern ich der Person aushelfen würde. Ich benutze eine Menstruationstasse.

Bevor ich über nachhaltige Periodenprodukte schreibe, möchte ich ein Thema hervorheben, das mir am Herzen liegt. Mir ist wichtig, dass wir das Thema Menstruation enttabuisieren. Menstruieren ist menschlich. Ich wünsche mir, dass wir offen über dieses Thema reden können, ohne dass jemand rot anläuft. No Pun intended. Ich wünsche mir, dass nicht-menstruierende Menschen wissen, was bei den Menstruierenden abgeht. Warum hat meine Freundin gerade Krämpfe? Was kann ich tun, um meinem Partner diese Zeit im Monat angenehmer zu machen? Was steckt biologisch dahinter? Mich macht traurig, dass noch immer so viele Menschen jeden Geschlechts nicht wissen, wie genau all das mit dem Eisprung und Befruchtung - oder nicht Befruchtung und Menstruation funktioniert. Das gehört für mich zum Basiswissen Körperkunde und sollte genauso wie das Thema Gender allen ein Begriff sein.

Zurück zu Periodenprodukten: Menstruieren kann teuer sein. Menstruierende Menschen geben in ihrem Leben mehr als tausend Euro für Binden, Tampons und Co aus. Die gute Nachricht ist: Es geht auch anders. Denn es gibt wiederverwendbare, nachhaltige Alternativen.

 

Menstruationstassen

Menstruationstassen haben die Form eines Kelches und bestehen meist aus medizinischem Silikon. Sie werden wie Tampons in die Scheide eingeführt. Dort fangen sie das Blut auf. Nach einigen Stunden kann die Tasse je nach Volumen und Blutungsstärke entfernt, geleert, mit Wasser ausgespült und wieder eingesetzt werden. Nach der Periode wird die Tasse ausgekocht und kann bis zu zehn Jahre lang weiterverwendet werden.

Ein Tipp, um Fehlkäufe zu vermeiden: Lass dich vorab beraten. Jeder menstruierende Mensch ist anders gebaut und braucht darum eine andere Tasse. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Modelle, aus denen du wählen kannst. Sie sind unterschiedlich weich oder hart, groß oder klein. Die Mitarbeitenden in Unverpacktläden helfen dir bestimmt gern weiter. Eine weitere Möglichkeit für Tipps rund um die abfallfreie Periode ist die Facebook-Gruppe „Menstruationstasse“.

 

Einlagen aus Baumwolle

Slipeinlagen und Binden aus Baumwolle gibt es mittlerweile von vielen Anbieterinnen. Wer begabt an der Nähmaschine ist, kann sie sich selbst nähen. Sie ersetzen Einwegprodukte. Nach dem Tragen können sie heiß gewaschen und so immer wieder verwendet werden. Reinigungstipp für blutige Binden: In kaltem Wasser einlegen und ggf. mit etwas Gallseife vorbehandeln

 

Naturschwämme

Naturschwämme funktionieren ähnlich wie Tampons. Du führst sie mit den Fingern ein und holst sie auch so wieder aus der Scheide raus. Ein Rückholbändchen gibt es nicht.
Der Schwamm wird feucht (nicht nass – wringe ihn vorher aus) eingeführt und das Menstruationsblut zwischen zwei Benutzungen mit kaltem Wasser ausgespült. Nach der Periode können die Schwämme mit einer milden Essiglösung desinfiziert und anschließend lange wiederverwendet werden. Ein praktischer Nebeneffekt: Das eingeführte Schwämmchen schmiegt sich der Scheide an. Darum ist Sex damit bequem möglich.

 

Periodenhöschen

Periodenhöschen werden produziert von Unternehmen wie Ooshi aus Berlin und Thinx aus den USA. In den Unterhosen ist ein besonders saugfähiges Material eingenäht, das ähnlich wie eine Binde funktioniert.

 

Free Bleeding

Free Bleeding ist eine weniger verbreitete Art des Menstruierens. Dabei lernst du deinen Körper besser kennen und spürst mit etwas Übung, wann du auf die Toilette gehen solltest. Tatsächlich bluten Menschen während ihrer Periode nämlich nicht mehrere Tage dauerhaft, sondern verlieren Blut und Zellpartikel aus der Gebärmutter in Schüben. Diese Methode erfordert Vertrauen in den eigenen Körper und eine gewisse Eingewöhnungszeit. Tipps dazu findest du z.B. auf LINK.

Das solltst du wissen:

Wichtig bei Alldem ist: Du sollst dich wohl fühlen. Deine Periodenprodukte sollen zu dir und deinem Lifestyle passen. Wie so oft im Leben geht es darum, aus all den wunderbaren nachhaltigen Alternativen, die für dich angenehmste und beste zu finden und umzusetzen, sodass sie dir Freude bereitet.

Die Menstruationstasse schenkt mir persönlich zum Beispiel die Freiheit, den ganzen Tag lang nicht übers Wechseln nachdenken zu müssen, weil ich sie nicht so häufig wie früher Tampons wechseln muss. Vielleicht hast du Spaß daran, dir bunte Binden auszusuchen oder dich ans Free Bleeding heranzutasten. Die Hauptsache ist, es geht dir gut damit.

Wenn du aus irgendwelchen Gründen doch nicht auf Tampons verzichten möchtest, kannst du biologisch hergestellte Tampons kaufen, die garantiert keine Chemikalien enthalten. Ja, in vielen konventionellen Tampons ist nicht nur Baumwolle, da die Inhaltsstoffe nicht ausgezeichnet werden müssen.

Außerdem setzen sich viele Unternehmen, die nachhaltige Periodenprodukte verkaufen auch für menstruierende Menschen in anderen Regionen der Welt ein. Rubycup spendet zum Beispiel pro verkaufter Tasse in wohlhabenden Regionen der Welt eine Tasse an Frauen und Mädchen in Kenia und Thinx gibt Periodenprodukte an Menschen in Uganda. Vor allem im globalen Süden, ist die Periode noch immer noch stärker stigmatisiert wie hier. Wer blutet, bleibt zuhause. Das hat teils kulturelle oder religiöse Gründe und hängt teils damit zusammen, dass sich die Personen einfach keine Hygieneprodukte leisten können und stattdessen alte Lappen nehmen, womit es sich unpraktischer rausgehen lässt.

That being said: Es gibt viele gute Gründe dafür, deine Menstruationsgewohnheiten zu hinterfragen und – falls du es noch nicht getan hast – etwas Neues zu wagen.