Plastikfreier Einkauf von Biolebensmittel im Unverpacktladen mit Weckglas, Jutebeutel und

Unverpackt einkaufen

So funktioniert es mit und ohne Unverpacktladen

Eine Frage, die mir Menschen oft stellen ist: Funktioniert Zero Waste auch ohne einen Unverpackt-Laden? Meine Antwort darauf ist ein deutliches: JAIN. Denn: Einige Produkte gibt es selbstverständlich auch unverpackt in konventionellen Supermärkten – andere eben nicht.

Obst und Gemüse sind ein Positivbeispiel. Wer Wert auf Bio legt, findet im Bio-Laden und auf Wochenmärkten die meisten saisonalen Obst und Gemüsesorten unverpackt. Im konventionellen Supermarkt oder Discounter sind gerade die Bio-Produkte oft extra verpackt. Der Grund dafür ist übrigens folgender: Im konventionellem Anbau dürfen Pestizide und chemische Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Absolut tabu ist der Einsatz von Pestiziden in der ökologischen Landwirtschaft. Da die Bio-Produkte im Discounter vom Bio-Bauern stammen, die jene Schutzmittel nicht verwenden, muss ihr Ertrag vor Kontakt mit gespritzten Lebensmitteln geschützt werden. Für mich klingt das nachvollziehbar – und etwas schräg. In meiner perfekten Welt ist Bio der Standard – doch das ist ein anderes Thema. Ich selbst gehe am liebsten einfach im Bioladen oder auf dem Markt einkaufen. Die Produkte lege ich entweder lose aufs Band oder transportiere kleinere Sorte wie Champions oder Rosenkohl in waschbaren, leichten Einkaufsnetzen.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wie einfach funktioniert das verpackungs- und plastikarme Einkaufen ohne Unverpackt Laden abgesehen von Obst und Gemüse?

Sagen wir so: Es braucht auf jeden Fall ein wenig mehr Kreativität, Biss und Geduld als einfach einen Ausflug in den Unverpackt Laden unternehmen zu können. Aber es geht.

Süßigkeiten zum Beispiel bekommt man super unverpackt, zum Beispiel am Kiosk, auf Jahrmärkten oder bei Hussel. Haferflocken, Zucker, Mehl und einige Nudelsorten gibt es in Papier oder Pappe verpackt, was eine bessere Alternative zu Plastik ist.

Milch und Joghurt gibt es in Pfandgläsern. Produkte aus normalen Gläsern können gelegentlich eine Alternative sein. Hierbei solltest du dir allerdings bewusst machen, dass das Glas mit 85 Prozent zwar eine ziemlich gute Recyclingquote hat, der Prozess jedoch sehr Energie und damit Ressourcenintensiv ist.

Bei Wurst und Käse ist man auf das Wohlwollen der Thekenmitarbeiter angewiesen und darauf, ob sie die Grauzone betreten möchten, die mitgebrachte Brotdose mit Aufschnitt zu füllen. Offiziell ist das nicht verboten, aber eben auch nicht ausdrücklich erlaubt. Verkäufer sind dazu verpflichtet, die Ware vor äußeren Einflüssen zu schützen und sie in bestmöglichem Zustand zu verkaufen.

Ein weiterer guter Tipp sind ethnische Supermärkte. Dort gibt es häufig Trockenprodukte wie Reis, Nüsse und Linsen in großen Säcken und wenn man nett fragt, darf man sich was in das eigene Behältnis umfüllen. Mit ganz viel Glück und etwas Suchen, findet man sogar Tofu und Antipasti, die hinter Theken verkauft und somit potentiell unverpackt gekauft werden kann.

Bei vielen übrigen Produkten wird es dann schon wieder schwieriger, sie ohne Unverpackt-Laden in der Nähe abfall- und plastikfrei zu kaufen. Trotzdem ist es nicht unmöglich.

Möglichkeit Nummer eins, wenn ein Unverpackt-Laden nicht in direkter Nähe ist: weniger häufig Einkaufen fahren. Ich selbst kaufe nur alle sechs bis acht Wochen trockene Produkte ein, indem ich meine Lagerhaltung optimiert habe, Einkaufszettel schreibe und zum Ende dieser Zeit hin auch einfach mal etwas kreativer werde, wenn z.B. Bohnen alle sind, aber das Glas mit Linsen noch halb voll.

Möglichkeit Nummer zwei, um auf Umverpackungen zu verzichten bietet sich vor allem an, wenn du entweder regelmäßig für sehr viele Menschen kochst oder du mit Menschen in deiner Nähe connected bist, die vor ähnlichen Verpackungsherausforderungen stehen wie du. Du kannst allein oder zusammen mit deinen Mitstreitern viele Produkte direkt beim Hersteller in Großgebinden, die oft in Papiersäcken kommen, bestellen.

Wenn du nach all diesen Tipps immer noch bestimme Produkte nicht kaufen konntest, die du vielleicht aktuell noch regelmäßig nutzt, frag dich mal: Was sind das für Produkte? Brauche ich sie wirklich? Bei mir waren es anfangs vor allem ungesunde Nahrungsmittel: Instantgemüsebrühe und Müsliriegel zum Beispiel. Auf diese Weise bin ich dazu gekommen, viel mehr selbst und gesünder zu kochen und zu backen – was wiederum auch meine Mitmenschen freut. Und wie neulich schon gesagt: Ab und an kleine Ausnahmen zu machen, verbietet dir niemand. Wenn jeder von uns zunächst nur einen, zwei oder drei Schritte in Richtung nachhaltigerem Konsum geht, ist schon viel gewonnen. Die übrigen folgen meiner Erfahrung nach irgendwann von ganz allein.

Unverpackte Lebensmittel und Produkte finden

Auf der Website von Bea Johnson gibt es den Bulkfinder. Er zeigt eine Übersicht verpackungsfreier Einkaufsmöglichkeiten.

In Unverpackt-Läden gibt es viele der oben gelisteten Simple Swaps sowie viele unverpackte Lebensmittel.

Shia Su hat auf ihrer Website Westlandrebel eine Karte aller Unverpackt-Läden im deutschsprachigen Raum erstellt.

Auf Wochenmärkten kannst du Obst und Gemüse, am besten saisonal und von regionalen Landwirt*innen, kaufen sowie Gebäck, Aufschnitt, Antipasti und vieles mehr in deine eigenen sauberen (!) Gefäße abfüllen lassen.

In ethnischen Supermärkten gibt es häufig neben Obst und Gemüse auch Reis, Linsen und Bohnen in großen Säcken, Aufstriche und Antipasti an der Frischetheke und unverpackten Tofu in die eigene Box, wenn du nachfragst.

Lose Produkte einkaufen - so geht’s

 

Vorbereitung

1. Einkaufsliste schreiben

2. Der Liste entsprechend saubere Gläser, Dosen und Beutel raussuchen

 

Plastiktüten und Verpackungen kannst du ersetzen durch:

Jutebeutel | Gläser | Glasflaschen | Brotdosen

 

Im Unverpackt-Laden

1. Gefäße wiegen und Gewicht notieren

2. Produkte abfüllen

3. Bezahlen. Das Gewicht der Behälter wird abgezogen.

 

Siehst du? Es ist ganz einfach! Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen und Fragen mit mir und der Community auf Instagram teilst.